Philip Rucker und Carol Leonnig gehören zum Team der Washington Post, das über die Regierung von Donald Trump berichtet. Für den Titel ihres Buch über die ersten drei Jahre seiner Präsidentschaft wählten sie einen Satz, den er einem Reporter während einer Pressekonferenz in Brüssel 2018 sagte: „Ich bin ein sehr stabiles Genie.“
Was ist stabil? Als roter Faden zieht sich durch das Buch die Untersuchung der Russland-Kontakte durch den Sonderermittler Robert Mueller. Donald Trump rastete regelmäßig aus, weil sie seiner Meinung nach einen Schatten auf seinen Wahlsieg warfen. Er beschimpfte seinen Stab, seine Anwälte und die Medien. Viele skurrile Szenen wurden bereits von Bob Woodward in Furcht – Trump im Weißen Haus geschildert. Das Chaos in der Verwaltung, den Frust unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschreibt Anonymus in Warnung aus dem Weißen Haus. Philip Rucker und Carol Leonnig zeigen nun, dass es unter Trump im Weißen Haus kaum noch um Politik, sondern um das Image eines Präsidenten geht, der gegen das Establishment kämpft.
Was erreicht das Genie? Donald Trump wird als nahezu beratungsresistent beschrieben. Er verließ sich fast vollständig auf sein Bauchgefühl und verweigerte Informationen seiner Berater, wenn sie nicht seiner Weltsicht entsprachen. Auf dieser Basis traf er weitreichende Entscheidungen.

Evan Vucci/AP/picture alliance

Wirtschaftsberater Gary Cohn (auf dem Foto ganz links) verließ das Weiße Haus im Februar 2018, weil er Trumps Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte nicht mittragen wollte. Reince Priebus, Stabschef der ersten Stunde (zweiter von links), wurde von Trump für zahlreiche personelle Querelen verantwortlich gemacht und im Juli 2017 ersetzt. Verteidigungsminister James Mattis (dritter von links) trat im Dezember 2018 zurück, nachdem Trump den Rückzug der US-Truppen aus Syrien beschlossen hatte. Mattis hielt diese Entscheidung für falsch. Zuvor verhinderte er, dass Trump den Austritt aus der NATO verkündete. Außenminister Rex Tillerson (rechts neben Trump) bemühte sich um ein besseres Verhältnis zu Indien und zu afrikanischen Staaten. Er widersprach Trump bei zwei Meetings mit Beratern und Offizieren, in denen es um US-Truppen im Ausland ging. Bei einem dieser Treffen nannte Trump die Militärführung „Verlierer“ und „einen Haufen Weicheier und Babys“. Tillerson sagte später in kleinem Kreis, der Präsident sei ein „verdammter Vollidiot“, im März 2018 wurde er entlassen.
Der spannende Report von Philip Rucker und Carol Leonnig beunruhigt, weil er konzentriert und sachlich schildert, wie sehr das Weiße Haus vom Egotrip des Präsidenten Donald Trump gelähmt wird.

Philip Rucker, Carol Leonnig: Trump gegen die Demokratie – „A Very Stable Genius“. Übersetzt von Martin Bayer, Karlheinz Dürr, Hans-Peter Remmler, Werner Roller, Karin Schuler, Violeta Topalova; S. Fischer 2020, 560 Seiten

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„Meine Amtseinführung, die eigentliche offizielle Regierungsübernahme mit der Bibel und der Rede, fühlte sich total fantastisch an. Alle gucken zu, alle hören zu, und nicht bloß die zwei oder drei Millionen auf der National Mall, sondern bestimmt eine Milliarde in ganz Amerika und weltweit über Fernsehen und Internet – in Afrika und Indien wahrscheinlich übers Radio – , so viele Zuschauer, so viele Zuhörer, keiner lacht, keiner redet (außer mir), sogar die Hater sind eingeschüchtert, alle sind sie auf den Präsidenten Donald J. Trump konzentriert.“ Klingen diese Worte nach Donald J. Trump? Was in den Büchern von Journalisten, eines Ex-FBI-Chefs oder eines anonymen Mitarbeiters nicht steht, schrieben der Schauspieler Alec Baldwin und der Publizist Kurt Andersen auf: Ihre Version von Trumps Sicht auf seine Präsidentschaft, sein Team und sein Land. Sie lassen ihn das Weiße Haus begutachten, die Russland-Affäre reflektieren und über sein erstes Treffen mit Angela Merkel berichten: „Als ich Merkel fragte, ob sie Putin kennengelernt hätte, als er in Ostdeutschland für den KGB gearbeitet hat, sagte sie Nein und lenkte das Gespräch auf Wirtschaft und Handel.“ Satire, Realität oder Realsatire?

Will Heath/NBC/AP/picture alliance

Im September 2017 gewann Alec Baldwin (Jagd auf Roter Oktober) für seine Trump-Parodie bei Saturday Night Live den Fernsehpreis Emmy. Selbstverständlich gerieten er und der Präsident inzwischen auf Twitter aneinander. Kurt Andersen, bekannt für seine klarsichtigen Kommentare, schrieb zuletzt mit Fantasyland eine eigene Geschichte der USA und analysierte darin auf seine Weise den Wahlsieg von Donald Trump. Ihr Buch bietet eine kurzweilige Abwechslung vom realen Trump-Zirkus.

Alec Baldwin, Kurt Andersen: Meine fantastische Präsidentschaft – Die echte (NO FAKE!) Wahrheit über mich: Donald J. Trump. Übersetzt von Stephan Kleiner, mit 31 Abbildungen; C.H.Beck 2019, 223 Seiten

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