Wer wünscht sich nicht, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist? Zum Beispiel halbierte sich in den letzten 20 Jahren der in extremer Armut lebende Anteil der Weltbevölkerung. Der Gesundheitswissenschaftler Hans Rosling nutzte für seine Vorträge Statistiken aus vertrauenswürdigen Quellen wie der UNO und ihren Organisationen. Doch was ihm glasklar erschien, erkannte ein erheblicher Teil des Publikums nicht. „Es ist die überdramatisierte Weltsicht, die die Menschen zu den dramatischsten und negativen Antworten auf meine Faktenfragen verleitet“, sagte sich Hans Rosling. Gemeinsam mit Sohn und Schwiegertochter gründete er die Gapminder-Stiftung, um eine faktenbasierte Weltsicht zu fördern. Denn im Zeitalter von „Fake News“ und „alternativen Fakten“ kommt es immer mehr darauf an, die Dinge geradezurücken: „Was benötigt man, um Trugschlüsse aufzuspüren, zu erkennen und zu ersetzen? Daten. Man muss die Daten vorlegen und die hinter ihnen stehende Wirklichkeit erläutern.“

David Shankbone/CC BY 3.0/WikimediaHans Rosling behandelt in „Factfulness“ zehn Instinkte, die uns in die Irre führen. Ein Test lässt die Leserinnen und Leser herausfinden, wie dramatisch sie bestimmte Entwicklungen auf der Welt bewerten. Neugierig und motiviert, eigene Denkfehler anzugehen, erhalten sie Hintergrundwissen und nötiges Rüstzeug, um künftig Fehleinschätzungen zu vermeiden. Das Gapminder-Trio plädiert für eine offene Geisteshaltung und schult den Perspektivenwechsel, um Urteile präzise zu hinterfragen. Denn die Welt ist besser als wir denken.
Zahlreiche Projekte, die im Buch vorgestellt werden, können auf der Gapminder-Website weiterverfolgt werden. Dort stehen auch Präsentationen, Daten und Analysetools für die kostenfreie Nutzung zur Verfügung.

Hans Rosling mit Anna Rosling Rönnlund und Ola Rosling: Factfulness – Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist. Übersetzt von Hans Freundl, Hans-Peter Remmler und Albrecht Schreiber; Ullstein 2018, 400 Seiten

„Lassen Sie uns etwas Verrücktes wagen!“ Mike Fairbrass und David Tanguy setzen Dinge auf ungewöhnliche und originelle Weise ins Verhältnis: Welche Himmelskörper könnten mit den aneinander geknüpften Nervenfasern aus dem Gehirn eines Menschen verbunden werden? Welches Luftfahrzeug wiegt eine durchschnittliche Quellwolke auf? Welche Städte würde ein Regal verbinden, in dem alle veröffentlichten Bücher stehen? Die Autoren arbeiteten an einer Architektur-Ausstellung, als sie ihr gemeinsames Faible für den Maßstab endeckten. Nun lassen sie uns scheinbar Bekanntes neu entdecken: „Vom tiefsten Ozeangraben hin zu den Sternen unserer Galaxie und zurück zur „Schuhgröße“ eines Tyrannosaurus Rex werden wir gewöhnliche Distanzen überwinden, um Höhe und Tiefe, molekulare und atomare Größe, das Ausmaß des Reichtums, die Geschwindigkeit unseres Denkens und der Plattentektonik sowie das Gewicht des Internets anschaulich zu machen.“ Ihr Bilder-Buch mit wenig Text und viel Grafik begleitet während dieser Reise durch eine facettenreiche Welt. Mike Fairbrass und David Tanguy regen an, sie mit anderen Augen zu betrachten.

Mike Fairbrass, David Tanguy: Das Maß aller Dinge – Oder wie man die Welt vergleichsweise einfach betrachtet. Übersetzt von Susanne Philippi; Dumont 2018, 144 Seiten