Begriffe wie „Vollgasfußball“, „Heavy Metal-Fußball“, „Pressing und Gegenpressing“ beschreiben treffend, wie Jürgen Klopp seine Mannschaften spielen lässt. Als er im Oktober 2015 zum FC Liverpool kam, wuchs das Interesse an seiner Person enorm. Der in London lebende Sportjournalist Raphael Honigstein sprach deshalb mit zahlreichen Spielern, Funktionären, Freunden und Familienmitgliedern. Darunter auch Christian Heidel, der als Manager 2001 Jürgen Klopp eine Profimannschaft anvertraute: „An jenem Tag, als der lang aufgeschossene Verteidiger zum Spielertrainer befördert wurde, wurde Mainz zum ersten größeren Verein in Deutschland, der es wagte, das Pferd beim Schwanz aufzuzäumen. Mit Klopp wurde ein Trainer ausgewählt, der zu der Mannschaft und einem bestimmten Spielstil passte, nicht umgekehrt.“ Christian nennt Jürgen Klopp einen „Menschenfänger“, der es mit seiner emotionalen Art schafft, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Vereins, die Fans, eine ganze Stadt zu inspirieren. Raphael Honigstein folgt dem Weg von Jürgen Klopp nicht immer chronologisch. Die Stationen als Chef an der Seitenlinie in Mainz, Dortmund und Liverpool stehen zwar im Mittelpunkt, doch Raphael Honigstein erinnert auch ausführlich an den Mentor Wolfgang Frank und an den Vater von Jürgen Klopp, dem die Karriere als Fußballprofi nicht gelang. Schließlich entsteht ein facettenreiches Porträt, das vor allem von den Schilderungen der Wegbegleiter lebt. Fußballbegeisterte lesen viel über die Philosophie des Trainers, der seine Mannschaft präzise und kompromisslos vorbereitet. Wer wissen will, was den sympathischen Zeitgenossen antreibt, erfährt seine Sicht auf das, was außerhalb des Stadions passiert. So sagte Jürgen Klopp schon 2009 in einem taz-Interview, er ordne sich politisch links ein: „Ich glaube an den Sozialstaat und habe kein Problem damit, Krankenversicherung zu zahlen. Ich bin nicht privat versichert, ich würde nie eine Partei wählen, weil die verspricht, den Spitzensteuersatz zu senken.“

Raphael Honigstein: „Ich mag, wenn‘s kracht.“ Jürgen Klopp – Die Biografie. Übersetzt von Hans Freundl, Reiner Pfleiderer, Hans-Peter Remmle; Ullstein extra 2017, 336 Seiten

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Der Fußballexperte Tobias Escher beschäftigt sich damit, wie Trainer ihre Mannschaft spielen lassen, um zu gewinnen. Welcher Idee, Philosophie folgt sie? Soll sie vor allem Tore schießen oder zuerst Tore verhindern? Lauert sie auf Konter oder will sie den Ball in den eigenen Reihen kreisen lassen? Fußball ist ein sehr komplexer Sport, und Trainer wollen den Erfolg planen: „Die elf in diesem Buch Porträtierten haben den Fußball der heutigen Zeit geprägt: mit ihrer Außendarstellung, mit ihrer Art des Fußballs, mit ihren frischen Ideen und Strategien.“ Zu ihnen gehören fast selbstverständlich Pep Guardiola und José Mourinho, beide beeinflussten viele Trainer. Tobias Escher schildert, wie sich Jogi Löw immer wieder neu erfand, wie mit Thomas Tuchel und Julian Nagelsmann eine neue Generation von talentierten Trainern heranwächst. Er erzählt, wie Jürgen Klopp mutiger und dynamischer spielen lässt und wie Zinédine Zidane, der nie Trainer werden wollte, das Star-Ensemble von Real Madrid motiviert. Dabei geht er ins Detail und erklärt Analyse- und Trainingsmethoden seiner Protagonisten. Alle sind akribische, disziplinierte Multitalente, die ihre Leidenschaft für den Fußball intensiv leben. Immer mehr wird es von solchen innovativen und flexiblen Trainern abhängen, ob Mannschaften dauerhaft Erfolge feiern: „Die Zeit der großen Revolutionen im Fitness-, aber auch im taktischen Bereich ist vorbei. Die Laufleistung der Spieler wird in den kommenden Jahren nicht mehr exorbitant steigen, niemand wird eine völlig neue Taktik erfinden.“ Wer Fußball noch besser verstehen möchte, ist bei diesem Buch gut aufgehoben, weil wichtige Konzepte vorgestellt werden. Tobias Escher gründete den Blog Spielverlagerung.de und veröffentlicht dort Taktikanalysen.

Tobias Escher: Die Zeit der Strategen – Wie Guardiola, Löw, Mourinho und Co. den Fußball neu denken. Rowohlt Taschenbuch 2018, 288 Seiten

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