„Die Erfahrung lehrt uns immer wieder, daß es ruhiger Hände, passiver Arme und eines langsamen Beginns aus dem Rückschwung bedarf, um dem Schlägerkopf die ideale Geschwindigkeit zu verleihen und daß der Kontakt zum Ball verlorengeht, wenn wir den Blick von ihm abwenden.“ Wer noch nie einen Golfschläger in der Hand hielt, zieht es nach Lektüre dieser Sammlung mit hoher Wahrscheinlichkeit zum nächsten Golfplatz. John Updike, für viele der Pro unter den Erzählern, schrieb für Zeitschriften und Turnierprogrammhefte über seine sportliche Leidenschaft, ließ die Protagonisten in Romanen regelmäßig am kleinen Ball verzweifeln. Mit fünfundzwanzig Jahren schwang er zum ersten Mal einen Golfschläger, seitdem beschäftigte ihn die Suche nach der perfekten Kombination aus Gewichtsverlagerung, Hüftdrehung und Kopfhaltung. Er berichtet von seinen Mühen, den passenden Schwung zu finden und jenen gefürchteten Ein-Meter-Putts, die auch erfahrene Tour-Spieler demütig Richtung Fahne blicken lassen. Seine Sammlung von Tipps, um kritische Situationen auf dem Grün zu meistern, lassen auf viele Stunden intensiven Grübelns über die richtige Linie schließen.

Wendy Maeda/The Boston Globe/Getty Images

Wie in seinen literarischen Texten schildert John Updike lebhaft und intensiv Lust und Leid auf dem Fairway, den ewigen Kampf mit den Naturgesetzen zwischen Abschlag und Loch: „Meine Liebe zum Golfspiel war von jeher eine Liebe zu seinen großzügigen Dimensionen – der kurzzeitigen Vergrößerung meiner selbst in einem Reich des Überlebensgroßen“, fasst er zusammen. Also rekapituliert er lässig Runden mit extrem abgeklärten schottischen Caddies und schwärmt mit einem Augenzwinkern von berauschend hohen, weiten und geraden Schläge, weil er einem simplen Rat seines Pros folgte. „Das fundamentalste Gesetz des Golfspiels fordert uns auf, in uns selbst die Mitte unserer Freuden zu finden. Ergebt euch dem Rhythmus der Hügel und Senken und spielt den Schlag, der gerade ansteht – nicht den vorigen und nicht den nächsten, sondern den, der euch zu Füßen  liegt, mitten in dem Unkraut, in das ihr ihn gespielt habt.“ Wer Golf spielt, erfährt viel über sich selbst und lernt nie aus. Wunderbar!

John Updike: Golfträume. Übersetzt von Maria Carlsson, Kurt Heinrich Hansen, Barbara Henninges, Heinrich Maria Ledig-Rowohlt, Thomas Piltz und Willi Winkler; Rowohlt 2000, 253 Seiten

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Der Journalist Bernd Litti schrieb einen praktischen Ratgeber, mit dem Golfspielerinnen und Golfspieler leicht die ältesten Golfregeln befolgen können: „Spiele den Ball wie er liegt und den Platz wie du ihn vorfindest.“ Entspannt vermittelt er auf Basis eines reichen Erfahrungsschatzes, wie gefürchtete Spielsituationen mit richtiger Vorbereitung angegangen werden sollen: „Gelegentlich genügt schon ein einfacher Psychotrick, um sich mental gut auf die Runde vorzubereiten. Wir denken uns, dass wir das vor uns liegende Loch immer schon gut gespielt haben. Erinnern uns an lange, gerade Drives. Später an Putts, die zum Birdie gefallen sind. Keinen Gedanken verschwenden wir an vermasselte Schläge oder schreckliche Scores.“ Positiv bleiben, die Ruhe bewahren, auf die wichtigen und beeinflussbaren Dinge konzentrieren, lautet sein Mantra. Tipps und Checklisten fassen zusammen, was bei den Leserinnen und Lesern hängen bleiben soll. Wartezeit am Abschlag? Durchatmen. Formschwankungen? Akzeptieren. Nervende Spielpartner? Ausblenden. Wer sein Buch liest, kann gedanklich viele Situationen durchspielen, die auf dem Fairway für Stress sorgen könnten.

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Um gelassen zu spielen, kommt es auf erprobte Abläufe an, schreibt Bernd Litti: „Gute Golfer verstehen es, jeden Schlag mit dem gleichen Vorbereitungsritual und mit harmonischem Schwungverlauf auszuführen. Es gibt keinen Schlag auf dem Platz, dem wir mehr oder weniger Bedeutung zuteilwerden lassen.“ Da hilft es, dass er neben Empfehlungen zur Wahl von Ausrüstung und Trainer an wesentliche mentale Grundlagen erinnert, um die ersehnten Erfolge zu erreichen: „Eine Art Bewegungsgedächtnis wurde für den selbstverständlich gewordenen Vorgang geschaffen, sodass alles wie von selbst zu laufen scheint. Rückschwung, Ballkontakt, Durchschwung, Endposition. Und alles gleich wieder von vorn.“ Dieses Buch wurde offenbar von einem erfahrenen Golfspieler geschrieben, um Neulingen ein tieferes Verständnis der Grundlagen des Spiels, seiner Regeln und des Umgangs auf dem Platz zu vermitteln. Fortgeschrittene können es zur Hand nehmen, um sich an den ganz besonderen Reiz einer Golfrunde zu erinnern: „Der eine will wissen, wo seine sportlichen Grenzen im Golf liegen, der andere riecht gern den Duft gemähter Wiesen oder sucht nette Gesellschaft beim Spiel.“

Bernd Litti: Dein Handicap ist nur im Kopf – So werden Sie mental stark. Goldmann 2017, 320 Seiten

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