Wer sich fragt, weshalb die größten Gemeinheiten der Herrschenden zu wenig Protest hervorrufen, findet bei Douglas Rushkoff Antworten: Weil wir uns selbst überfordern. Weil alles gleichzeitig passiert. Weil uns Facebook und Twitter sekündlich neue Puzzleteile liefern, die uns die Welt erklären. Weil wir es gerade noch schaffen, diese Teile zu sehen, sie aber kaum ordnen können: „Wir wissen zwar nicht mehr, wo es langgeht, aber wir kommen viel schneller voran. Kann ja sein, dass wir mitten in einer existenziellen Krise stecken, aber wir sind viel zu beschäftigt, um es zu bemerken.“ Diese überhitze Kommunikation verhindert gerade Erkenntnis. Rushkoff sensibilisiert brillant für heraufziehende Aufmerksamkeitsdefizite. Er plädiert er für eine neue Balance zwischen Informationsgewinnung und  -verarbeitung.

Douglas Rushkoff: Present Shock – Wenn alles jetzt passiert. Übersetzt von Andy Hahnemann und Gesine Schröder; Orange Press 2014, 288 Seiten

„Wie bin ich eigentlich hierhergekommen in diesen blauen Sessel unter der Reichstagskuppel? In meinem 69. Lebensjahr? Nach einem Berufsleben als Journalistin, das zwar von Politik geprägt war, aber immer Distanz zu Parteien hielt.“ Das fragte sich Luc Jochimsen, als sie 2005 mit der Fraktion DIE LINKE in den Bundestag einzog. Ihre Autobiografie, nebenbei ein Streifzug durch die alte BRD, schildert auch diesen Weg. „Träume zählen“, sagte ihr Vater. Was aus ihren wurde, notierte Luc kurzweilig und augenzwinkernd. Sie schildert in zahlreichen Episoden, wie sie mit Vorgesetzten Konflikte ausfocht, sich treu blieb und offen für andere Blickwinkel. Wie sie spät in die Politik ging, sie vor einem Jahr wieder verließ und sich stets ihre Unabhängigkeit bewahrte. Liebe Luc, dir und deinem Ehemann Lucas alles Gute!

Luc Jochimsen: Die Verteidigung der Träume – Autobiographie. Aufbau 2014, 400 Seiten