„Männer, die einigermaßen wachen Auges durch die Welt schreiten, werden anerkennen, dass ihr bisher schier uneingeschränkter Zugang zu Teilhabe und Mitsprache in Gremien, Parlamenten, Institutionen und Ämtern ihnen nie wirklich zweifelsfrei zustand“, schreibt die Feministin und Publizistin Sophie Passmann. Sie wollte wissen, wie ein alter weißer Mann tickt. Wobei nicht jeder Mann, der so aussieht, „automatisch zum Feindbild“ gehört. Zum Klischee der Spezies „alter weißer Mann“ gehört auch, dass sie über Macht verfügt und fürchtet, sie zu verlieren. Was stimmt an diesem Bild? Sophie Passmann interviewte einflussreiche Politiker, Künstler und Journalisten, darunter Kevin Kühnert, Claus von Wagner und Sascha Lobo. Ihre kurzweiligen Erinnerungen an diese Begegnungen sind ein echtes Lesevergnügen, sie räumen mit vielen Vorurteilen über Männerherrschaft und Feminismus auf und beleben die Debatte darüber: „Theoretisch können alle mit allen ins Gespräch kommen, die eigenen Standpunkte vergleichen und meinetwegen am Ende weiterhin darauf beharren. Die Welt wird dadurch nicht zwangsweise einfacher, aber aus jeder Chiffre wird dann plötzlich ein Mensch.“ Erhellend!

Sophie Passmann: Alte weiße Männer – Ein Schlichtungsversuch. Kiepenheuer & Witsch 2019, 304 Seiten

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Angst vor dem Feminismus? Männer, entspannt euch. Wenn die letzten Tage des Patriarchats anbrechen, so versichert es Margarete Stokowski, bedeutet das nicht, dass ein Matriarchat folgt. In den Texten dieser Sammlung von Essays und Kolumnen, die sie zwischen 2011 und 2018 schrieb und für diese Ausgabe überarbeitete, geht es um die Abschaffung von Unterdrückungsverhältnissen: „Frauen haben immer noch weniger Geld als Männer, sie arbeiten seltener in Führungspositionen, sie erledigen die meiste Familienarbeit, und nicht wenige erleben sexualisierte Gewalt.“ Margarete Stokowski lenkt den Blick auf das, was in unserer Gesellschaft verändert werden muss, um die Gleichstellung voranzutreiben. Sie bricht Tabus, diskutiert Alltagsbeobachtungen, hinterfragt Vorurteile. Feminismus gehört selbstverständlich zu einer aufgeklärten, fortschrittlichen Gesellschaft und Margarete Stokowski formuliert, wie das besser klappt: „Je weiter wir als Gesellschaft kommen, desto größer ist die Herausforderung, bestehende Schieflagen nicht nur auf individuelle Schwächen und Pech zu schieben, sondern strukturelle Probleme zu erkennen: Probleme, die sich wiederholen, weil manche Menschen mehr Macht und Privilegien haben als andere.“ Lesenswert!

Margarete Stokowski: Die letzten Tage des Patriarchats. Rowohlt 2018, 320 Seiten

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