Warum kommen Züge der Deutschen Bahn immer später an oder fallen ganz aus, sind so viele Toiletten verstopft oder Klimaanlagen kaputt? Der Reporter Arno Luik nimmt kurz und bündig unter die Lupe, wie Management und Bundesregierungen seit der Bahnreform 1994 die Weichen falsch stellen. Am aus seiner Sicht irrsinnigen Prestigeprojekt Stuttgart 21 demonstriert er, wo das Bahnmanagement Geld verschwendet und andererseits auf Verschleiß fährt. Doch die Zeiten ändern sich: „Der Klimawandel zwingt zur Vernunft. Allerdings, bloß mit mehr Geld, damit ist es nicht getan. Entscheidend ist, wie und wofür man es ausgibt.“ Einige seiner Vorschläge, damit die Bahn wieder richtig rollt: Stuttgart 21 stoppen, Tempo drosseln, Mehrwertsteuer auf Fahrkarten senken, Schalter wieder öffnen, Nacht- und Autozüge wieder fahren lassen, viel mehr Geld in Sicherheit und Service investieren. Aus Sicht von Arno Luik muss die Bahnpolitik ausstrahlen: „Wir wollen, dass mehr Bürger Zug fahren – und wir werden mit einer durchdachten Steuerpolitik eine sinnvolle Verkehrswende ansteuern.“

Arno Luik: Schaden in der Oberleitung – Das geplante Desaster der Deutschen Bahn. Westend 2019, 296 Seiten, 20 Euro

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Der Journalist Thomas Wüpper beschäftigt sich seit mehr als zwanzig Jahren mit der Bahn und denjenigen, die ihre Entwicklung verantworten. In seinem Buch analysiert er Konzepte, Pläne und Strategien für die Verkehrswende: „Weil Bund und Bahn die Infrastruktur über Jahrzehnte kaputtgespart haben und manche Anlagen auf Nebenstrecken noch aus der Kaiserzeit stammen, wird der laufende Unterhalt immer teurer, und die Züge werden an Hunderten schadhaften Stellen ausgebremst.“ Auf Hochgeschwindigkeitsstrecken und kostspielige Bahnhofsumbauten müsse verzichtet werden, um in deutlich mehr neue Züge und ein engeres Streckennetz zu investieren. So ließe sich ein Taktfahrplan einrichten, wie es ihn in der Schweiz schon seit 1982 gibt: „Künftig sollen Züge zu jeder Stunde in jede Richtung zur selben Minute fahren, auf den wichtigsten Strecken zwischen mehr als 30 Großstädten sogar im Abstand von 30 Minuten. Regionalzüge sollen minutengenau an Fernlinien angebunden werden, Zubringer die Umsteigestationen kurz vor der Ankunft von Fernzügen erreichen und gleich danach wieder zurückfahren.“ Für Thomas Wüpper steht fest, dass aus politischer Sicht die Bahn deutlich gegenüber der Straße bevorzugt werden muss, und zwar mit allen Konsequenzen.

Thomas Wüpper: Betriebsstörung – Das Chaos bei der Bahn und die überfällige Verkehrswende Ch. Links 2019, 264 Seiten

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