Rückblickend stellt Alan Greenspan nüchtern fest: „Es ist bedauerlich, dass man aus politischen Gründen besser nicht aussprechen sollte, was jeder weiß: Im Irak-Krieg geht es im Wesentlichen um das Öl der Region.“ Er kann es sich leisten, diese Wahrheit offen zu legen, denn im Februar 2006 gab er sein Amt als Vorsitzender der US-Notenbank ab. Er sah Präsidenten kommen und gehen, vergleicht in seiner Autobiographie ihre Wirtschafts- und Finanzpolitik, analysiert deren Wirkungen. Seine öffentliche Karriere begann 1968, als er Richard Nixon im Wahlkampf beriet. Unter Präsident Gerald Ford wurde er Wirtschaftsberater im Oval Office, Ronald Reagan ernannte ihn 1987 zum Chef der US-Notenbank. In dieser Funktion diente er auch George Bush, Bill Clinton und George W. Bush. Er managte wie den Börsencrash 1987, die Dot-Com-Aktienblase und manche weitere Krise. Greenspan erlebte, wie unter Bill Clinton aus einem Haushaltsdefizit ein Überschuss wuchs: „Clinton wurde oft dafür kritisiert, er sei unbeständig und nehme in einer Debatte jedwede Position ein, doch auf seine Wirtschaftspolitik traf dies nicht zu. Seine Präsidentschaft zeichnete sich durch disziplinierte Ausrichtung auf langfristiges Wachstum aus.“ George W. Bush häufte danach einen gigantischen Schuldenberg an, was Greenspan an den Falken im Weißen Haus zweifeln ließ: „Die Regierungsmitglieder vertraten die Auffassung: „Das haben wir versprochen, und das halten wir auch“, und das meinten sie ganz wörtlich. Eine rigorose Debatte über Wirtschaftspolitik oder langfristige Konsequenzen fand nicht statt. Alan Greenspan lässt Wirtschaftsgeschichte lebendig werden und gestattet seinem Publikum einen intimen Blick auf Entscheidungsprozesse in der internationalen Geldpolitik.

Alan Greenspan: Mein Leben für die Wirtschaft – Die Autobiographie. Übersetzt von Michaela Pelz; Campus 2007, 598 Seiten

Drei Jahre nach dem Tod seiner Frau schrieb Werner Schneyder die Geschichte ihres langsamen Sterbens auf und erzählte sie so seiner neuen Lebensgefährtin. Auf diese Weise bewältigte er seine Trauer und will, dass wir uns Fragen darüber stellen, ob wir dieses perfekte Therapiesystem wirklich wollen. Es ist eine Erzählung von Verzweiflung und Hoffnung. Während ihrer Odyssee durch die Krankenhäuser, von Spezialist zu Spezialist, schöpfen er und seine Frau immer wieder Mut, werden dann umso mehr enttäuscht. Machtlos muss er zusehen, wie seine geliebte Partnerin langsam die Kontrolle über ihren Körper und ihr Leben verliert. Er flüchtet sich in die Arbeit, fragt später nach dem Sinn der Behandlungen: „Natürlich ist von Ärzten nicht zu verlangen, Privates zu recherchieren, um Entscheidungen in Relation zu Lebenssituationen setzen zu können. Aber sie sollten aus dem Verhalten von Patienten Schlüsse ziehen, wenigstens versuchen, sich in die Situation des Kranken zu projizieren, statt mechanische Exekutoren ihres medizinischen Credos zu sein.“ Werner Schneyder schrieb ein bewegendes und berührendes Buch, wählte die klare und teilweise drastische Sprache sehr bewusst. Das Ergebnis macht nachdenklich über die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

Werner Schneyder: Krebs – Eine Nacherzählung. LangenMüller 2008, 160 Seiten