Das Coronavirus bekam seinen Namen wegen seiner „nur unter dem Mikroskop sichtbaren, etwa 20 Nanometer großen, keulenförmigen Spitzen“, die seine Hülle umgeben und an eine Krone erinnern. Auch diesen Zusammenhang erklärt der Gesundheitsjournalist Stefan Schweiger in seinem übersichtlichen Frage-Antwort-Katalog, den er zu schreiben begann, als in Deutschland die ersten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus registriert wurden. Viele Themen bestimmen die Diskussion noch immer: Warum dauert die Entwicklung eines Impfstoffs so lange? Wie zuverlässig sind die Statistiken? Was ist das richtige Maß zwischen Vollquarantäne und Nichtstun? Stefan Schweiger vermeidet Spekulationen, konzentriert sich auf Fakten und verknüpft sie mit Hintergrundinformationen. Den teilweisen Mangel an Schutzausrüstung für das medizinische Personal erklärt er unter anderem damit, dass „eine raumgreifende Lagerhaltung für den eher unwahrscheinlichen Fall einer Pandemie so gar nicht zu einem in den vergangenen Jahren auf Effizienz getrimmten Gesundheitssystem“ passt.

Marcel Weber

Er analysiert beispielsweise die Unterschiede zwischen verschiedenen Szenarien der Krisenbewältigung und weist auf die Folgen hin. Daraus ergibt sich, dass die Konsequenzen für Wirtschaft und Gesellschaft noch nicht abzuschätzen sind, weil der Verlauf der Pandemie auch von Fortschritten in der Forschung und von der „Durchseuchung“ der Bevölkerung abhängen wird. Bei manchen Fragen verweist er auf die Medizingeschichte. Kurz und knapp fasst er jeweils die einzelnen Antworten zusammen: „Einen sicheren Schutz vor Viren bieten Atemschutzmasken nicht. Lieber sollten Sie Hygienemaßnahmen nicht vernachlässigen: Hände waschen, sich möglichst wenig ins Gesicht fassen, in die Armbeuge niesen und Abstand zu niesenden und hustenden Menschen halten.“
Stefan Schweiger liefert Basiswissen, um gesund und gelassen die Coronakrise zu überstehen. Sein Buch immunisiert gegen Verschwörungstheorien.

Stefan Schweiger: Coronavirus. 33 Fragen – 33 Antworten. Piper 2020, 128 Seiten

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„Ich habe keine Angst, zu erkranken. Wovor dann? Vor all dem, was die Ansteckung verändern kann. Davor, zu entdecken, dass das Gerüst der Zivilisation, wie ich sie kenne, ein Kartenhaus ist. Ich habe Angst vor der Vernichtung, aber auch vor ihrem Gegenteil: dass die Angst vorübergeht, ohne eine Veränderung zu hinterlassen.“ Der italienische Schriftsteller und Naturwissenschaftler Paolo Giordano begann Ende Februar, seine Gedanken während der Coronakrise aufzuschreiben. So konnte er besser ordnen, was ihn beschäftigte und wie er fühlte. Vor allem wollte er festhalten, welche Seiten die Pandemie bei Menschen hervortreten lässt: „Unter Umständen wie den gegenwärtigen sind alle Reaktionen möglich: Wut, Panik, Kälte, Zynismus, Ungläubigkeit, Resignation. Daran sollte man denken, um auch zu bedenken, dass man etwas mehr Vorsicht als sonst walten lassen müsste, etwas mehr Mitleid.“

Scarlett Werth
In seinem Tagebuch nutzt Paolo Giordano den inzwischen zum Allgemeinwissen gehörenden Begriff der Basisreproduktionszahl, um die Exponentialrechnung zu erklären. Die Folgen der Covid-19-Pandemie sind für ihn nur global zu verstehen, weist sie doch auf den hohen Grad der Verknüpfung hin: „In Zeiten der Ansteckung ist fehlende Solidarität vor allem ein Mangel an Vorstellungskraft.“ Schließlich beschäftigt er sich mit dem Einfluss der Experten auf die politischen Entscheidungen, um die Krise zu bewältigen und dem Vertrauen, das ihnen nur begrenzt entgegengebracht wird: „Das Virus hat diesen Teufelskreis ans Licht gebracht, eine Endlosschleife des Misstrauens, die sich fast jedes Mal einstellt, wenn die Wissenschaft unseren Alltag tangiert. Die Panik rührt von der Endlosschleife her, nicht von den Zahlen.“ Die Ursachen für die Pandemie sieht er beim aggressiven Umgang des Menschen mit der Natur. Wälder werden abgeholzt, Tierarten ausgelöscht, Bakterien suchen sich neue Lebensräume. Solche Infektion können sich deshalb aus seiner Sicht wiederholen.

Paolo Giordano: In Zeiten der Ansteckung – Wie die Corona-Pandemie unser Leben verändert. Übersetzt von Barbara Kleiner; Rowohlt Taschenbuch 2020, 80 Seiten

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