„Wie kommen wir aus dem Wettlauf Richtung Zerstörung der Welt raus? Wie können wir ein Gerechtigkeitsverständnis finden, das uns wieder miteinander anstatt gegeneinander handeln lässt und die Verbindung von sozialen und ökologischen Zielen erlaubt? Für mich liegt die Formel darin, dass wir aus der Zukunft denken.“ Die Politikökonomin Maja Göpel lädt dazu ein, gewohnte Denkmuster aufzubrechen: Sie hinterfragt unser Verhältnis zur Natur und analysiert lesenswert, wie Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme auf den heftigen Wandel reagieren. Die Standardvorgehensweise zur Problemlösung lautet aktuell: Mehr Wachstum! Doch sie funktioniert nicht mehr, auch weil Ressourcen knapper und die Aufgaben größer werden. Der Kreislauf aus produzieren, konsumieren und wegwerfen erreicht seine Grenzen. Was also Fortschritt heißt, sollte neu bestimmt werden: „In unserer heutigen Welt kommen nahezu gleichzeitig überall Systeme unter Druck, die über Jahrzehnte verlässlich funktioniert zu haben scheinen und die Menschheit Tag für Tag und immer umfassender mit Energie, Nahrung, Medikamenten und Sicherheit versorgten. Sie prägten eine Epoche, in der es, grob gesagt, von allem immer mehr gab. Wohlstand, auch für die Armen. Fortschritt, in allen Bereichen von Wissenschaft und Technik. Frieden, auch zwischen Ländern, deren politische Systeme grundverschieden sind.“

Carsten Koall/dpa/picture alliance

Maja Göpel unterzieht gängige ökonomische Konzepte im Schnelldurchlauf einem Stresstest. Wie wirken neue Technologien, wohin entwickeln sich Staaten, was macht das mit den Menschen? Als Nachhaltigkeitswissenschaftlerin betrachtet sie Perspektiven langfristig. Sie präsentiert keine fertigen Lösungen sondern will dazu ermuntern, durch gezielte Fragen die Diskussion über den richtigen Weg voranzutreiben. Denn um aus der gedanklichen Box herausspringen zu können, müssen sich viele anstrengen.
Fazit: Ohne frische Ideen und kritische Diskussion über traditionelle Lösungen können wir wachsende Herausforderungen nicht bestehen. Bereits „eine riesige Aufgabe wird es sein, mit der Gewohnheit zu brechen, alles und jedes in Geld umzurechnen und diesem Mittel zum Zweck dann den Thron in unserer Werttabelle einzuräumen.“

Maja Göpel: Unsere Welt neu denken – Eine Einladung. Ullstein 2020, 208 Seiten

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Der Journalist Georg Diez und der Unternehmer Emanuel Heisenberg diskutieren, wie im digitalen Zeitalter neue Technologie genutzt werden, um demokratische Prozesse zu erneuern. Sie denken bis hin zu alternativen Marktstrukturen: „Wie könnte eine andere Welt, wie eine andere Politik aussehen, die sich den Herausforderungen unserer Zeit stellt und sich nicht im Alten versteckt? Eine Politik, die die Bedingungen und die Chancen des Neuen nutzt, um eine tatsächlich gerechtere Gesellschaft zu schaffen. Es geht um die Frage, wie sich Technologie und Demokratie so ergänzen können, dass am Ende nicht die Demokratie auf der Strecke bleibt.“ Sie untersuchen, wie bereits heute Staaten und Unternehmen das Potenzial der Digitalisierung nutzen, um ihre Ziele zu erreichen. Viele Prozesse laufen im Hintergrund und unbemerkt von den Betroffenen. Wenn Menschen sich überwacht und beurteilt fühlen, wendet sich ihr Misstrauen nicht nur gegen die Technologie: „Die Beschreibung von Technologie als etwas, das dem Willen und der Kontrolle des Menschen entzogen ist, dient nur dazu, die Demokratie zu schwächen, indem sie ihrer Handlungsfähigkeit beraubt wird.“

Christian Werner

Georg Diez (auf dem Foto links) und Emanuel Heisenberg erinnern beispielsweise an die bevorstehenden enormen Veränderungen der Arbeitswelt, wenn Roboter und Software in großem Stil Einzug in die Industrie halten. Was passiert mit den Menschen, die jetzt dort arbeiten? Hier sind in den kommenden Jahren harte gesellschaftliche Debatten zu erwarten.
Mut machen Beispiele aus Städten rund um den Erdball, in denen die Stadtverwaltung Daten und Digitalisierung im Sinne der Bürgerinnen und Bürger nutzt: „Was in Barcelona stattfindet, ist die Verbindung von Mobilität und Klimaschutz, von Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit in Bereichen wie öffentlicher Nahverkehr, Wohnungen, Erziehung, Gesundheitsversorgung. Die Menge an Radwegen wurde fast verdoppelt, die Bildung von digitalen Fähigkeiten wurde ausgebaut, fast 40.000 Erwachsene und 6.000 Kinder nahmen an diesen Programmen teil.“
Georg Diez und Emanuel Heisenberg umreißen die Herausforderungen an die Gesellschaft, die mit der Digitalisierung auf sie zukommen, betrachten Auswirkungen, Chancen und Risiken. Sie setzen auf eine Erneuerung der Demokratie von unten und zeigen an Beispielen, mit welchen Konzepten dies gelingen kann.

Georg Diez, Emanuel Heisenberg: Power to the People – Wie wir mit Technologie die Demokratie neu erfinden. Hanser Berlin 2020, 176 Seiten

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